Das Beste kommt zum Schluss

Veröffentlicht: 6. April 2012 von Jakob Horvat in Fastenchallenge 2012

In 24 Stunden ist die Fastenchallenge vorbei. Morgen – am Karsamstag um 12 Uhr – wird angestoßen. Und zwar mit jeder Menge kaltem Bier und der ganzen Mannschaft beim traditionellen Fastenbreak. Allen, die nicht mehr wissen, wie kaltes Bier schmeckt, kann ich sagen: Gut schmeckt´s! Eine Beichte.

Fastenbreak 2011

Fastenbreak 2011, 12 Uhr. Lauter strahlende Gesichter!

Ein Marathon sind 42,195 Kilometer. Die ersten zwanzig Kilometer sind easy. Die letzten fünf sind eine Grenzerfahrung. Sie fordern alles. Von Körper und Geist. Und wenn es in die Zielgerade geht, dann will man trotzdem noch einmal alles geben. Auch, wenn „alles“ dann nur mehr ganz wenig ist und größere Schritte aufgrund der gefühlten zehn Kilo Blei an jedem Bein gar nicht mehr möglich sind, hat der Endspurt durchaus seine Berechtigung. Nach dem Motto „Jetzt nix mehr anbrennen lassen!“ joggt man sich an den Rand des Herzkasperls. Und hat danach einmal mehr das Gefühl, alles gegeben zu haben. Wenn man durchs Ziel läuft, das eigene Glücksgefühl jeden Lotto–Gewinner depressiv erscheinen lässt und man plötzlich die Antwort auf die Frage kennt, die man sich die letzten zehn Kilometer im Sekundentakt gestellt hat: Warum tu ich mir das an?

Ein Biertschi in Ehren

Die Fastenchallenge dauert 45 Tage. Die ersten fünf sind hart. Erfordern eine Umstellung. Für Körper und Geist. Danach wird´s fein. Weil die Vorteile des Verzichts auf Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Fleisch, Süßigkeiten, Pizza und McDonalds den Erinnerungen an verkaterte Sonntage und energiefreie Phasen nach transfettem Essen den Mittelfinger zeigen. Und wenn es in die Zielgerade geht, wird´s langweilig. Weil man Routine entwickelt. Und sich eigentlich dann schön langsam aber sicher wieder auf seine Laster freut. Zum Beispiel darauf, sich ein kaltes Bier in die Rübe zu gießen. Oder zwei. Oder so. Am Ende weiß man ja gar nicht mehr, wie das schmeckt. Schon blöd.

Alle, denen es so geht, darf ich an dieser Stelle sagen: Seid beruhigt und freut euch. Das Bier schmeckt herrlich. Ich habe es nämlich ausprobiert. Wer´s nicht glaubt, darf den letzten Satz gerne noch einmal lesen. Ich habe meinen Alkoholjoker gezogen und am vergangenen Wochenende Bier getrunken. Nicht irgendeines. Sondern richtig kühles Heineken. Nicht irgendwo. Sondern in Holland auf der Tanzfläche der größten Trance–Party der Welt.

A State Of Trance 550

Kann passieren: A State Of Trance 550, Den Bosch/NL.

Gesündigt, gejokert oder beides?

Jetzt kann man mehrere Fragen stellen: Nimmt es einem Regelverstoß an Bedeutung, wenn man sich selbigen schon im Vorfeld der Fastenzeit in Form eines Alkoholjokers einräumt? Nicht, weil man muss, sondern weil man möchte? Und wenn ich es euch dann im Nachhinein erzähle? Verharmlost es den Delikt, wenn sich ein Bankräuber selbst bei der Polizei stellt? Und was, wenn ich meine Alkoholabstinenz ob des bevorstehenden Marathons am 15. April dafür um eine Woche verlängere?

Noch 22 Stunden. Und dann?

Die Fastenchallenge 2012 ist also in wenigen Stunden vorbei. Also ganz offiziell jetzt. Für alle. Das Ende wird auch heuer gebührend gefeiert. Beim großen Fastenbreak in Phyra/NÖ. Mit Spanferkel, tonnenweise Bier und jeder Menge Ungesundem. Das Beste kommt eben zum Schluss.

 Martin war einkaufen. Für das Fastenbreak 2012!

Und das Allerbeste danach. Teresa freut sich da schon riesig auf die Nutellaschnitte von der Schwiegerischen und Litschisekt. Stepfn freut sich auf den Tag nach dem Fastenbreak. Worauf genau? Martin steht auf betrunkenen Sex. Andreas wünscht sich betrunkenen Sex mit Martin und eine Pizza danach. Romana kann´s kaum noch erwarten, die neuen Messino mit dunkler Schokolade auszuprobieren, Steffi hält es allgemeiner und will endlich wieder das essen, trinken und rauchen, worauf sie Lust hat. Simon läuft beim Gedanken an Käsekrainer vom Würstelstand das Wasser im Mund zusammen und Mariella bereitet ihren Schokohasen schon jetzt auf seine allerletzten Stunden vor.

Und ich? Ich freue mich auf Gummizeug – auf Wein-, Lach- und Sportgummis. Auf eine herrlich duftende Pizza mit Schinken und Champignons. Auf einen Espresso aus der brandneuen Gaggia–Maschine im Büro, die seit vier Wochen neben meinem Schreibtisch steht und vor sich hin duftet. Auf richtig guten Vodka. Auf den traditionellen Osterbrunch am Sonntag. Und auf das Foto von 35 grinsenden Gesichtern, die morgen um Punkt 12 beim Fastenbreak miteinander anstoßen. Prost!

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Fasten macht schlaflos

Veröffentlicht: 23. März 2012 von Jakob Horvat in Fastenchallenge 2012

Ich bin alles andere als ein Frühaufsteher. Ich bin Nachtmensch, Langschläfer, Morgenmuffel. In der Fastenzeit ist das anders. Jetzt schlafe ich regelmäßig schon beim Hauptabendprogramm ein und wache dafür weckerlos um 5:30 Uhr wieder auf. Was ist da passiert? Ich habe mir das von einem Ernährungsmediziner erklären lassen.

Normalerweise läuft das folgendermaßen ab: Mein Wecker läutet um halb acht – das erste Mal. Ich beschimpfe ihn mit einem völlig ernst gemeinten „Halt die Pappen!“, während meine Hand auf der Suche nach dem Handy orientierungslos über mein Nachtkästchen wandert. Ich krieg´s zu greifen und lege es unter den Kopfpolster. Denn ab dann stellt die Schlummerfunktion mit ihrer Hartnäckigkeit meine Geduld auf die Probe. Im Neun-Minuten-Takt. Ich habe mittlerweile eine Taktik entwickelt, die Schlummertaste schneller zu drücken, als mein Wecker läuten kann. Dreimal. Viermal. Fünfmal. Mein Rekord liegt bei zwölf Mal.

Der frühe Spatz … geht trainieren

Den angelernten Schlummertasten–Reflex brauche ich momentan nicht. Auch wird im persönlichen Umfeld bereits die Abwesenheit meiner frühmorgendlichen „Wer mich anredet, ist selbst schuld“–Stimmung mit Freude zur Kenntnis genommen. Seit Beginn der Fastenzeit ist mit meinem Biorhythmus einiges passiert. Ich stehe drei Mal die Woche um 5:30 Uhr auf, um im Fitnessstudio Eisen zu biegen. Die Idee dahinter ist: Wenn ich abends gehe, kostet mich das den halben Abend. Wenn ich morgens gehe, kostet es mich zwei Stunden Schlaf. Sowas hätte es früher nicht gegeben. Aber meinem Körper gefällt´s. Und zwar so gut, dass ich dafür nicht einmal mehr einen Wecker brauche. Er wird von selbst wach – und macht aber dann auch keine Anstalten, wieder einzuschlafen. Also selbst, wenn ich wollte.

Um 7 Uhr Früh muss man die Räumlichkeiten im Fitness-Studio nur mit wenigen teilen.

Die Hormone sind schuld

Der Sinneswandel ist das eine. Na gut – gesunde Ernährung dreht sich mit sportlicher Motivation in einer Aufwärtsspirale. Aber die zusätzliche Energie muss ja auch irgendwo herkommen. Um das nachvollziehen zu können, habe ich heute mit Dr. Christian Matthai telefoniert. Als Ernährungscoach und Sportmediziner kennt er sich mit sowas aus. „Wenn du abends auf Kohlenhydrate verzichtest, sinkt dein Blutzuckerspiegel. Dadurch werden Hormone produziert, die mehr Vitalität zur Folge haben, zum Beispiel Wachstumshormone“, so Matthai. Die Folge sind mehr Energie bei weniger Schlaf. Klingt plausibel.

Punkt zwei: Ich trinke keinen Alkohol, esse wenig Fett und nichts Süßes. Das sind alles „Dinge, für deren Verstoffwechslung der Körper wesentlich mehr Energie aufbringen muss, die dann anderswo fehlt.“ Und last, but not least, profitiert der Körper im Frühling von mehr Licht und Wärme, als das im Winter der Fall ist. „Das erzeugt mehr Serotonin und weniger Melatonin, was wiederum zu mehr Energie und ergo zu einer besseren Stimmung führt“, sagt der Experte.

Fernschlafen, täglich!

Und trotzdem ist es leider nicht ganz so einfach – man wird nicht zum Übermenschen, nur weil man sich gesund ernährt. Matthai findet: „Es wäre naiv zu glauben, dass man deshalb 18 Stunden wach sein kann, ohne müde zu werden.“ Die Tendenz geht zwar klar in diese Richtung, aber jedem Energiehaushalt sind natürliche Grenzen gesetzt. Und deshalb ist es schon ein wenig länger her, dass ich das Hauptabendprogramm zur Gänze gesehen habe. Um halb zehn sind die Augen auf Halbmast, um zehn sind sie zu. Fastenprofi Martin geht´s da ähnlich: „Seit Beginn der Fastenzeit haben wir kaum einen Film fertig gesehen. Dafür sind die Tage umso länger und produktiver.“ Und werden mit einer ganz anderen – nämlich sozialkompatiblen – Stimmung begonnen.

Und das ist im Endeffekt auch der Gewinn an der Sache. Denn das allmorgendliche „Wer mich anredet, ist selbst schuld“–Prinzip kann es ja eigentlich wirklich nicht sein.

Halb leer oder halb voll?

Veröffentlicht: 15. März 2012 von Jakob Horvat in Fastenchallenge 2012

Die Hälfte ist ein spannender Punkt. Weil die eine Seite immer der anderen entspricht. Weil sie was von Balance und Ausgewogenheit hat. Weil immer genau die gleiche Menge von dem, was war, noch kommt. Und man das super finden kann oder nicht. Man kann sich zum Beispiel darüber freuen, dass die erste Hälfte der Fastenzeit vorbei ist. Oder sudern, weil die zweite noch vor einem liegt. So oder so: Es ist Halbzeit!

Halbvolles Glas

Wenn der Schiri zweimal pfeift, geht die Mannschaft in die Kabine zur Teambesprechung. Dann tut der Trainer gscheiteln und analysiert die Spielzüge der ersten Hälfte. Und die gibt nicht zuletzt darüber Aufschluss, ob das Spiel halb verloren oder halb gewonnen ist. Die Halbzeit eignet sich also gut für eine Bestandsaufnahme. Let´s go.

In exakt 22,5 Tagen ist mir einiges untergekommen. Meine dreitägige vegane „Woche“ nehme ich jetzt einmal als das, was sie war – eine interessante Erfahrung, die ich kein zweites Mal machen möchte. Ich halte es hier wie Andi Burger, der sein Fazit über die vegane Sonderchallenge mit einer denkwürdigen Analogie zum Ausdruck gebracht hat: „Die vegane Woche ist für mich so wie basejumpen ohne Fallschirm. Kann man machen, aber echt nur einmal!“ Interessant fand ich auch, dass der bloße Versuch und mein persönliches Resümee darüber doch einigen sauer aufgestoßen sein dürfte. Einer findet zum Beispiel, dass es uns viel zu gut geht. Hält die vegane Ernährung und den Verzicht aus Langeweile für pervers und höchst fragwürdig, zumal ein paar Flugstunden weiter südlich alle froh wären, eine Schüssel Reis am Tag zu bekommen. Ich erinnere mich auch an Kommentare wie: „Ziemlich schwaches Durchhaltevermögen. Ich ernähre mich ja während der Fastenzeit auch vegan. Abgesehen von ein paar Mikadostäbchen und Vollkornkuchen, der mit Honig bestrichen war, auch recht erfolgreich.“ Red´ ma vielleicht afoch nimma drüber. Oder doch?

Davon abgesehen ist mein persönliches Resümee bisher durchwegs positiv. Der alljährliche Ersatz meines heißgeliebten Gummizeugs sind Nüsse und getrocknete Früchte. Daran gewöhnt man sich. Aber nicht wirklich!

Gummizeug

Meine Videothek macht es mir mit einer unfassbaren Auswahl an importiertem Gummizeug aus halb Europa nicht unbedingt leichter.

Nüsse

 Nüsse und Rosinen zwar auch nicht, aber sie sind ein Trost.

Das Fleisch ist mir Blunzen, Tofu geht auch – vor allem in asiatischer Kombi finde ich das unglaublich lecker. Oder Bratwürste aus Weizenprotein. So übel, wie sie klingen, schmecken die gar nicht:

Vegetarische Bratwürste

Halbleere Vodka-Gläser und halbvolle Freunde

Letzten Samstag habe ich einen alten Party-Freund wieder getroffen: Vodka Redbull. Er wollte mit mir feiern gehen. Und … eines könnt ihr mir glauben … ich auch mit ihm. Ich war beim Warm-Up der Einzige, der Tee getrunken und mit halbleerem Wasserglas den anderen beim Vorglühen zugesehen hat. Ich war auf der Tanzfläche im Sass auch der Einzige, der eine Mineralwasserflasche in der Hand gehalten und sich unter lauter Angeflaschelten als leichter Außenseiter gefühlt hat. Ich war aber auch am nächsten Morgen der Einzige, der um zehn Uhr aufgestanden und für ein Sonntags-Workout ins Fitness-Studio gefahren ist. Und bei meinem anschließenden Telefonat mit Partyhengst Stefan auch der Einzige von uns beiden, der gelacht hat. Da war das Glas dann urplötzlich wieder halb voll.

Der Verzicht auf alles, was ungesund ist – sowohl per se als auch in dem Maße, in dem ich es konsumiere – hat allem voran eine Konsequenz: meine Motivation in sportlicher Hinsicht, die noch nie so hoch war. Auch letztes Jahr nicht. Seit Beginn der Fastenzeit am 22. Februar bin ich in insgesamt elf Stunden und 43 Minuten exakt getrackte 120,59 Kilometer gelaufen. In genau einem Monat, am 15. April, laufe ich mit Stefan – genau, dem Partyhengst – den Vienna City Marathon. Es dürfte sich – neben all dem Teamgeist, den wir in den Wettkampf einbringen – auch zeigen, was früher einknickt. Das Fleisch oder der Tofu, der Alkohol oder der Tee.

Halbzeit = Halb so schlimm

Die positiven Effekte der Fastenzeit werden reihum bestätigt: Stepfn hat seit Beginn 85,95 Euro für Zigaretten eingespart. Sagt seine Nichtraucher-App. Simone hat im konstruktiven Verzicht Routine entwickelt und kann mittlerweile Steaks braten, ohne darauf Gusto zu bekommen. Meine Frage an dieser Stelle: Für wen brätst du die Steaks? Tompfi „Die Bestie“ Mayer hat acht Kilo abgenommen. Thomas freut sich über die optimierte Verdauung, Zitat: „Besser denn je!“ und Roman zeigt sich verwundert: „Ich hätte nicht gedacht, dass auf Zigaretten verzichten so leicht sein kann!“ Vorschi findet die ganze Fastenchallenge überhaupt easy, seine Freundin Teresa reklamiert und führt das auf ihre vegetarischen Kochkünste zurück.

Meine Damen und Herren, es ist Halbzeit. Steffi kommentiert das mit gekonntem Wortwitz: „Halbzeit = Halb so schlimm!“ Liebe Steffi, ist dein Glas jetzt halb leer oder halb voll?

Vegan geht gar nicht

Veröffentlicht: 8. März 2012 von Jakob Horvat in Fastenchallenge 2012
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Langeweile ist die unsägliche Situation, sich beim Nichtstun zu fadisieren und gleichzeitig nicht zu wissen, was man sonst tun soll. Monotone, unterfordernde Tätigkeiten sind da ein fruchtbarer Boden. Wenn einem der Fad nachrennt, gibt es – je nach Situation – mehrere Möglichkeiten, schneller zu sein. Eine davon: Vegane Ernährung. Schnapsidee!

Vegan geht gar nicht

Es sind jetzt keine Breaking News, dass der Mensch zu kreativen Verhaltensweisen neigt, wenn ihm langweilig ist. Wenn man zur Summe Mensch aber noch den Faktor Martin addiert, dann wird´s abenteuerlich. „Da hat mich der Martin wieder einitheatert“, ist ein Satz, der sich in meinem Sprachgebrauch derzeit mit „Hallo, wie geht´s?“ und „Guten Morgen!“ um die vorderen Plätze streitet. Weil der Martin einer ist, der bei jedem Blödsinn dabei ist – Köpfler durch die Spannleinen vorbeirasender Kite-Schirme oder Rafting auf der Pielach im Februar wären zwei Beispiele. Und weil er es versteht, seine Freunde für derartige Unsinnigkeiten zu motivieren.

 

A guade G´schicht

„Morgen beginnt die vegane Woche … für die Geschichte, Jakob. Tu´s für die Geschichte“, hat er mir am Samstag geschrieben. Eine militante Abspaltung der Fastengruppe konnte er zu diesem Zeitpunkt bereits für eine Woche vegane Ernährung rekrutieren. Ich war noch nicht dabei. Am Montag habe ich in die Facebook-Gruppe gepostet: „Obwohl ich der Meinung bin, dass das ein irrsinniger Bullshit ist und ich keine Ahnung hab, warum ich das tue, probier ich es aus und steige mit einem Tag Verspätung in die vegane Gruppe ein. Eine Erfahrung mehr. Und a guade G´schicht.“

Jetzt könnten listige Leut´ freilich sagen: „Na mit so einer Einstellung kann das ja nix werden!“ Könnten sie. Sie könnten sich dann aber auch gleich fragen, was genau einen Veganer eigentlich treibt, vegan zu leben? Dieser Frage ist ProSieben in einer Reportage nachgegangen – danke Steffi, für den Link:

„Ist dir fad?“

Zwischen Montag Früh und Mittwoch Abend ist einiges passiert. Mein Magen würde das Gegenteil behaupten – würde man ihn fragen. Hätte der aber auch nur irgendwas zu melden, würde er einem eine derartige Schnapsidee in Windeseile wieder ausreden. So fragt er sich heimlich, still und leise: „Ist dir langweilig, oder was soll der Unsinn? Oida!“

Dass einem der 45-tägige Verzicht auf alles, was gut und ungesund ist, irgendwann zu langweilig wird und man sich daher noch größeren Herausforderungen stellt, mag für den Außenstehenden schwer vorstellbar sein. Nicht nur für den Außenstehenden. In der Tat ist es eine ziemliche Aufgabe, sich ständig darauf zu konzentrieren, ob in dem Tee eh kein Honig, in der Pita-Falafel eh keine Joghurtsauce und der Lederschuh eh aus Kunstleder ist. Ordentlich zu tun hatten da alle Beteiligten. Mel kämpft mit der Sojamilch und TomTom wurde – da schau her – die Joghurtsauce im Falafel-Sandwich zum Verhängnis. High Five!! Martin und Steffi sind überhaupt erst am nächsten Tag draufgekommen, dass in ihrem Tee vom Vortag Honig war und Honig für den Veganer wie für den Teufel das Weihwasser ist. Claudia lenkt vom Thema ab und lässt die Runde wissen, dass die Bärlauchsaison begonnen hat. Und Andreas schießt den Vogel ab und fragt, ob die Lederleine jetzt eigentlich ihm oder dem Hund gehöre.

I´m out!

Bis Sonntag gibt sich der harte Kern die vegane Sonderchallenge noch. Ich bin seit gestern draußen. Weiß jetzt, wie sehr wir eigentlich von den Tieren abhängig sind. Finde, dass wir deshalb insgesamt viel netter zu ihnen sein sollten. Und bin heilfroh, heute Abend wieder mehr als nur eine von dreißig Speisen auf der Karte bestellen zu können. Im Übrigen traue ich mich bis jetzt nicht darauf wetten, dass wirklich alles, was ich von Montag bis Mittwoch konsumiert habe, nicht doch irgendwo nicht–vegan war. Und wenn ich ehrlich bin, ist es mir auch ziemlich wurscht. Denn langweilig ist mir eigentlich wirklich nicht.

Für den einen oder anderen

Veröffentlicht: 8. März 2012 von Jakob Horvat in Fastenchallenge 2012

Meine Oma hat einmal gesagt: „Es gibt immer solche und solche. Aber mehr solche als solche.“ Das dankbare an diesem Schmäh ist, dass er sich als Nebenbei-Kommentar zu allen möglichen Gegebenheiten anbringen lässt. Wenn man die moralische Fragwürdigkeit von Hedgefonds-Managern diskutiert, zum Beispiel. Oder weniger weltklug: Sich über den Sauschädel echauffiert, der sein Auto rücksichtslos über drei Parkplätze parkt. Oder wenn man fastet und feststellt, dass es wenige gibt, die mitmachen und viele, die´s nicht verstehen. Dann gibt´s immer den einen – und den anderen.

Fastengruppe

Wenn man sich also einem gallischen Dorf wie diesem zugehörig fühlt, dann arrangiert man sich. Man gründet Facebook-Gruppen, organisiert vegetarische Abendessen und gemeinsame Fastenkochsessions, teilt Kochrezepte, Erlebnisse und Supermarkt-Aktionen mit den Mitstreitern und entwickelt Running Gags. Und plötzlich fühlt man sich gut. Stärker als alleine. Und motivierter.

Fasten oder Flaschen drehen?
Vergangenen Freitag waren Romana, Martin, Steffi und ich abends im St.Pöltner Restaurant „Mandas“ srilankisch-vegetarisch essen. Haben Tee und Soda-Zitrone bestellt. Alle. Runde für Runde – und konnten der Kellnerin nach der dritten den skeptisch-amüsierten „Was-seids-ihr-denn-für-komische-Gäste“-Blick nicht einmal verübeln. Was wäre die logische Fortsetzung eines solchen Starts in den Abend? Heimfahren und in die Falle gehen. Paperlapapp. „Groove Sensation“ im Egon – viel lustiger. Wir treffen die Mitstreiter Roman und Stepfn. Die Neigungsgruppe „Fastenchallenge 2012“ steht nach kürzester Zeit in einer Art rituellem Kreis zwischen Bar und Tanzfläche. Und diskutiert stocknüchtern die Frage, ob eine ledige Palatschinke an sich eine Süßspeise ist, oder nicht. Und ob dann nicht ein Apfelstrudel ohne Zucker ebenso erlaubt sein müsste. Wie die Nerds, die sich in der Grundschule über Computerspiele unterhalten, während die Fußballer mit den Mädels Flaschen drehen.

Derlei Diskussionen kann man auch virtuell führen. Wozu gibt es schließlich die „Fastenchallenge 2012“-Facebook-Gruppe? Da teilt der Roman in bester Absicht einen Link, den er für passend und gut befindet: www.scheissewaskocheichheute.de („Antworten auf die wichtigste Frage des Alltags. Nie mehr Nudeln mit Ketchup.“) Und ahnt nicht, dass er damit eine ellenlange Debatte auslöst. Darüber, ob kochen mit Rot- oder Weißwein verboten ist. Immerhin wäre das ja nicht des Genusses, sondern lediglich der Verfeinerung der Speise wegen. Sagt der Stepfn. Darauf kontert Martin: „Geh bitte, es Wiaschtln. Alkohol is Alkohol. Fertig!“

Überhaupt wächst sich die Fastenchallenge langsam zu einem Kabarett aus.

Hier die Ereignisse der vergangenen Woche im Überblick:

  • Simone bricht eine Lanze für die „leckeren vegetarischen Speisen“ im Steak-Restaurant „Milwaukee“ in St.Pölten
  • Tompfi schwört auf Krautsuppe und kocht für zwei Wochen vor:
Krautsuppe
  • Claudia durfte an ihrem Gemüse-Curry haut- und gaumennah erfahren, dass Ingwer und Thai-Ingwer vor allem in Sachen Schärfe nicht das selbe ist:
Gemüse-Curry by Claudia
  • Mariella findet ihre Palatschinke mit Spinat, Feta und Pinienkernen geil. Ich übrigens auch. Lust auf eine Diskussion mit Stepfn?
Palatschinke
  • Andreas ist frustriert. Weil der Mäci leckere Burger in Werbungen zeigt, während er an Karotten lutscht „wie eine Pornodarstellerin“.
  • Martin macht weniger der Burger fertig als die Vorstellung, wie Andreas an einer Karotte lutscht.
  • Romana sagt, dass bis zum Vollmond am 8. März jeder Bissen doppelt anschlägt. Das gilt auch für Karotten.
  • Tompfi lässt wissen, dass Karotten beim Billa in Aktion sind und das sicher für den einen oder anderen interessant sei. Er ist damit der Urheber des Running Gags der Woche.
  • Stepfn korrigiert: Er sei der Urheber! Könnt´s euch beide was drum kaufen.

Zum Beispiel heute das gesamte Biersortiment bei Merkur um minus 25 Prozent. Oder auch Limonaden, Fruchtsäfte und Energydrinks. Oder den Schweinsbraten beim XXXLutz zum 67jährigen Jubiläum um 2.90€. Aso, blöd. Ihr dürft ja nicht. Wegen Alkohol, Zucker und Fleisch. Aber sicher für den einen oder anderen interessant!

„Der zeitliche oder räumliche Ausgangspunkt eines Vorgangs oder einer Sache“ – klare Definition, völlig unklare Bedeutung. Der Anfang. Eigentlich ein seltsames Wort. Weil es so unheimlich neutral ist. Es kann gut oder schlecht sein, positiv oder negativ. Es löst Freude oder Trauer, Spaß oder Frust aus. Oder es geht einem einfach sonstwo vorbei. Welche Bedeutung der Anfang einer Sache letztlich für den Einzelnen hat, hängt von der Sache und vom Einzelnen ab. Die Sache: die fastenchallenge 2.0. Der Einzelne: ich.

Anfangsstadium

An alle, denen diese Zeilen bekannt vorkommen: Ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid. Allen anderen darf ich ein paar erklärende Zeilen widmen:
Ich bin nicht katholisch. Auch nicht dick. Oder irgendwo angelaufen. Ich bin aber fastentechnisch auch kein Anfänger mehr. Wollte ich mir letztes Jahr noch selbst etwas beweisen, ist er heuer fast schon die logische Konsequenz – der Verzicht auf alles, was mein Leben schön und ungesund macht. Für 45 Tage. Das bedeutet: Kein Fleisch, kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Süßigkeiten und Süßspeisen, keine Pizza, kein McDonalds, kein Kaffee. Getrunken wird Wasser und Tee. Sonst nichts.

45 Tage lasterlos

45 Tage lasterlos. Schon wieder.

„Ab in den Urlaub, Schweinehund!“

„Hakerl drunter, Schwamm drüber“, hab ich gesagt als das alles vorbei war. Am Karsamstag vergangenen Jahres, während ich Pizza, Bier, Gummizeug und Zigarette quasi gleichzeitig konsumiert habe. Damals hätte ich den Teufel getan, das zu wiederholen. Aber heute, ein Jahr und 52 mehr oder weniger intensive Wochenenden später freu´ ich mich drauf. Weil sich´s summa summarum doch ziemlich geil angefühlt hat. Und ich bin beileibe nicht der Einzige, dem es so geht.
Alle, die bei der vergangenen fastenchallenge mitgemacht haben, sind heuer wieder dabei. Und noch mehr. Die Facebook-Gruppe zählt mittlerweile 35 Mitglieder. Letztes Jahr waren´s 13. Jeder hat seine Motive, jeder seine eigenen Regeln. Aber alle das gleiche Ziel: Den inneren Schweinehund für 45 Tage auf Urlaub zu schicken.

Dessen letzte Arbeitstage wurden in unterschiedlicher Intensität verbracht. Martin, Tom und Stepfn – die sich die Challenge heuer schon zum dritten Mal geben – sind am Faschingsdienstag aus Brasilien zurückgekehrt. Nach tagelangem Dschungel-Abenteuer mit Piranhas und Kriechtieren zum Abendmahl dürfte ihnen der Verzicht auf Fleisch jetzt durchaus gelegen kommen.

Martin & Stepfen

Stepfn und Martin bei ihrer Fastenchallenge-Preparty im brasilianischen Dschungel.

Vorschi und Roman sind zwei der Spezialisten, die sich letztes Jahr noch steakessend und biertrinkend ins Fäustchen gelacht haben – heuer lachen sie nicht mehr. Sie haben sich gleich mehrere Tage Zeit genommen, um sich von ihren multikulturellen Lastern zu verabschieden: Amerikanisches Medium-Steak, japanisches „All you can eat“, italienische Pizza. Mit 18 Cola-Whiskey am Abend des Faschingsdienstags verkürzte Roman die rauschfreie Fastenzeit um mindestens einen Tag. Sollten wir das hinten wieder anhängen?

Mich hat die Fastenzeit in gewisser Weise überrascht. Weil sie viel früher begonnen hat als letztes Jahr, wäre eine Erklärung. Weil ich das alles irgendwie noch nicht ganz so wahrhaben wollte, eine andere. Fünf deka Rohschinken waren da noch im Kühlschrank. Ein paar Dosen Bier übrig. Zwei köstlich-cremige Landliebe-Puddings und ein quadratischer Milka-Tender-Kuchen mit Kuhflecken. Das Bier wurde hergeschenkt, der Pudding eingefroren und … keine Ahnung, was mit dem Schinken passiert ist. Apropos: Mag wer einen Milka-Tender-Kuchen mit Kuhflecken?

„Ganz oder gar nicht!“

Um allfälliger Langeweile ob des reduzierten Konsums von „Glücklichmachern“ vorzubeugen, würze ich die diesjährige fastenchallenge mit einem pikanten Fitnessprogramm. Es umfasst die Vorbereitung auf den Vienna City Marathon am 15. April – also 2-3 mehr oder weniger lange Läufe die Woche – und einen auf drei Tage pro Woche aufgeteilten Trainingsplan im Fitness-Studio. Wenn die Motivation schon mal da ist, kann man sie auch gleich ausreizen, finde ich. Manche sagen, das sei ein wenig extrem. Ich sag: „Ganz oder gar nicht!“

Endstadium

Veröffentlicht: 22. April 2011 von Jakob Horvat in Fastenchallenge 2011

„Der zeitliche oder räumliche Endpunkt eines Vorgangs oder einer Sache“ – klare Definition, völlig unklare Bedeutung. Das Ende. Eigentlich ein seltsames Wort. Weil es so unheimlich neutral ist. Es kann gut oder schlecht sein, positiv oder negativ. Es löst Freude oder Trauer, Spaß oder Frust aus. Oder es geht einem einfach sonstwo vorbei. Welche Bedeutung das Ende einer Sache letztlich für den Einzelnen hat, hängt von der Sache und vom Einzelnen ab. Die Sache: die fastenchallenge. Der Einzelne: Ich.

Der Deal mit dem Schweinebären

45 Tage konsequenter Verzicht haben meinem inneren Schweinebären vor allem eines gezeigt: Mit meiner Konsequenz ist nicht gut Kirschen essen. Oder Gummizeug. Oder Pizza. Mein Versuch, ihn in die Schranken zu weisen, war erfolgreich. Das hat ihn ein wenig auf Distanz gebracht – wir sind jetzt per Sie. Aus Höflichkeit, aus Respekt voreinander. Und aus Prinzip. Nicht zuletzt deshalb ist unser Verhältnis jetzt ungemein entspannter. Unser Deal für die Zukunft: Er platzt nicht mehr ungefragt in Situationen, die ohnehin schon unangenehm genug sind. Er zieht sich zurück, bevor es zu spät ist. Er unterlässt es künftig, vernünftige Ambitionen jedweder Art zu unterwandern. Ich im Gegenzug lasse ihm die Freiheiten, die er braucht, um seine Existenz einigermaßen zu rechtfertigen. Freiwillig und unaufgefordert.

Was bedeutet der Deal für die Praxis? Qualität vor Quantität – Genuss vor Menge. Nicht immer! Aber immer öfter? Vielleicht. Aber jedenfalls so, dass ich nicht immer wieder in die Situation komme, nachher zu bereuen, was ich vorher genossen habe. Ob Alkohol über den Durst, Gummizeug über den Hunger oder Pizza über die Maßen. Das ist jetzt ganz bewusst so schwammig formuliert. Schließlich ist die Zeit der engen Grenzen vorbei – und das Leben geht weiter.

Fastenchallenge: DONE!

Das meistvermisste Laster

Ein Vegetarier, der auf Fleisch verzichtet, wird das kaum als Fasten bezeichnen. Ein Nichtraucher, der nichts raucht, dito. In der Annahme, auf etwas zu verzichten, das mir wichtig ist, habe ich 45 Tage keine Zigaretten geraucht. Und dabei festgestellt, dass sie mir nicht abgehen. Gar nicht. Ich könnte meinen lächerlichen Konsum locker ganz einstellen. Wäre da nicht der Alkohol, der sich mit rauchenden Lungen so blendend versteht. Alles Kopfsache? Alles. Auch das! Fast hätte ich mich dazu hinreißen lassen, hier zu schreiben: Ich höre ganz auf! Aber ich werde das spontan entscheiden.

Überraschenderweise hat das Gummizeug das Rennen um das meistvermisste Laster gewonnen. Schon nach wenigen Tagen musste sich ein Ersatz finden: Nüsse und getrocknete Früchte. Kalorientechnisch keine Ersparnis, aber wenigstens gesund. Auf Platz zwei: der Alkohol – schmerzhaft festgestellt an meinem Geburtstag und zu anderen Anlässen. Ich erinnere mich an „Champagner?“ bei einer Geburtstagsfeier. „Danke. Is lieb. Wasser reicht.“

Weit abgeschlagen hinter den beiden Führenden liegt das Feld aus anderen Süßigkeiten, Pizza, Fleisch und Mäci – in dieser Reihenfolge. Die Zigaretten hatten schon in der zweiten Runde einen Motorschaden und sind kurzerhand beim Alkohol mitgefahren.

Fastenbreak: Wenn schon Ende, dann richtig.

Insgesamt 24 offiziell gezählte Mitstreiter sind am 8. März in den Kampf gezogen – acht sind gefallen. Manche von ihnen sind wieder aufgestanden, andere nicht. Am Ende zählt nur eines: das Ende. Und die fastenchallenge verdient ein ganz besonderes. Deshalb gibt es morgen, Samstag, ab 12:00 Uhr das große Fastenbreak „meat & beat“. Ob mitgemacht oder mitgefiebert, ob verzichtet oder genossen, ob konsequent oder fast: Jeder ist eingeladen, den Break mit uns zu feiern. Mit zwei vor Ort gegrillten Spanferkel, Fassbier en masse, kiloweise Gummizeug und allem, was sonst noch dazu gehört. Alle Infos unter Fastenbreak „meat & beat“.

Das Ende. Und jetzt?

Ich will jetzt nicht sentimental werden. Auch nicht philosophisch. Das Ende ist das Ende. Punkt. Ich trauere der Fastenzeit bestimmt nicht nach. Aber ich werde mich lange an sie erinnern: An Holzpferde und Mr. Lee, an Bobby Cars und Grenzkontrollen, an Rohkosttorten und schwere Geschütze, an lustige Lehrer und lustige Freunde, an raue See und echte Kollegen, an purzelnde Kilos und steigende Kosten, an römischen Wein und betende Helden, an laufende Siege und siegende Läufer. An eine spannende Erfahrung und ein glänzendes Resümee: „Guat, dass´ vorbei is!“

Noch 22 Stunden und 51 Minuten.